Gegen den Hunger

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Hunger is back in the cities of Myanmar, especially in its commercial hub Yangon. Main cause is a steady decline of the country’s economy following the coup d’état of February,1. Hundreds of thousands have lost their jobs related to Covid-19 and the post coup-situation. This mass unemployment results in catastrophic financial situations of the households concerned. Most burdened are daily laborers and internal migrants. More than ever in the years gone by, poverty and hunger are looming over the horizon. For many, food affordability does not exist any longer. At present, community based organizations like the punkband “Rebel Riot” provide strong local support for those who are in dire need of nourishment by delivering staple food like rice which are financed by donations. Being part of the Civil Disobedience Movement (CDM), this kind of engagement is in high demand in these days of an increasingly precarious and unsafe situations.

Eine neue Armut entsteht in Myanmar, und sie ist mit dem Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze verknüpft. Spätestens seit März 2021 befindet sich die Wirtschaft als Folge des coup d’état in “Freiem Fall”. Die Bank- und Finanzwirtschaft ist paralysiert , Wirtschaftszweige wie die Textilbranche, die Bauindustrie und der e-commerce sind teilweise oder komplett eingebrochen. Die Folgen sind Arbeitslosigkeit und Einkommensverlust in einer von Covid-19 und struktureller Armut vorbelasteten Situation. Ein staatliches Sozialnetz existiert nicht. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen prognostiziert eine Massenarmut , die es in dieser Form seit dem Jahr 2005 nicht mehr gegeben hat. Auf dem globalen Hungerindex (2020) belegt Myanmar Platz 78 von 107 trotz der Erfolge der “Zero Hunger Initiative”.

Yangon als wirtschaftliches Drehkreuz war stets das Ziel arbeitsuchender Binnenmigranten*innen, oftmals ungelernten, aus ganz Myanmar, und hier besonders aus dem Rakhine Staat, der Trockenzone (Zentralmyanmar) und dem Delta. In vielen Fällen unterstützten die, die Arbeit gefunden hatten, ihre Familien, indem sie Geld schickten. Die Baustellen, die Fabriken, die Sonderwirtschaftszone Thilawa in und bei Yangon boten bis zum 1. Februar zum Teil boomartige Möglichkeiten. Nun beeinflussen Baustopps, Auftragsstornierungen und in der Schwebe gehaltenen Verträge den Arbeitsmarkt. Was vorher eine Chance für Hunderttausende Menschen war, ist nun zur Armutsfalle geworden. Aus ihr gibt es kaum ein Entkommen. Die meisten Migranten*innen, die Mitte März das partiell unter Kriegsrecht gestellte Yangon verlassen, kehrten inzwischen zurück.

Wer hilft?

Community Based Organizations (CBOs) sind die Entitäten, die momentan effizient helfen. Vernetzt und erfahren, bewerkstelligen sie, was großen Organisationen oft gar nicht möglich ist. Dies zeigt in diesen Tagen das Beispiel der Stadt Mindat, “der ärmsten Stadt im ärmsten Staat” Myanmars, im Chin-Staat. Weder das Internationale Rote Kreuz noch die Vereinten Nationen haben hier Zutritt.

Ein Beispiel für die Arbeit einer CBO ist die “streetwork” der international bekannten Punkband Rebel Riot und ihres lokalen Netzwerks. Die Gruppe leistet seit Jahren Sozialarbeit in Yangon mit ihrer Non Profit Organization (NPO) “Food Not Bombs (Myanmar)”. Inzwischen Teil des Civil Disobedience Movement (CDM), versorgen sie seit Mai bedürftige Familien mit Reisspenden und anderen Grundnahrungsmitteln in den armen Vierteln Yangons wie Hlaing Tharyar. Dort, einem “sozialen Brennpunkt”, wohnen geschätzt eine Million Arbeitsmigranten*innen. Weitere arme Bezirke, die im Rahmen des Möglichen ebenfalls versorgt werden, sind South/North Dangon und Okkalapa.

Offiziell ist für jede Aktion eine Lizenz des Militärs erforderlich, und die Umstände für die Helfenden sind denkbar schwierig. Ein Grund ist neben den zunehmenden Anschlägen die über die Zentralbank (Central Bank of Myanmar) gesteuerte Bargeldverknappung.

Zur Zeit liegt der Preis für 1200 kg Reis bei US$ 500,00. Das sind in der Landeswährung 821 000 Kyat (Kurs vom 21.06. 2021). Diese Menge an Reis ist genug, um 200 Familien – im Durchnitt fünf Personen – versorgen zu können. Die Aktionen von “Food Not Bombs (Myanmar)” beruhen auf Spenden(geldern).

Das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen, das World Food Program (WFP), in Myanmar seit 1978 aktiv, stellte in Yangon im März teilweise die Lebensmittelversorgung für 2000 Menschen ein. Im Kayin-Staat, südöstlich an der Grenze zu Thailand gelegen, wurde die Hilfe gänzlich gestoppt. Im April legte WFP angesichts der Lage nach dem Coup ein erweitertes Programm auf. Eine große WFP-Niederlassung befindet sich in Pakokku/Magway Region in Zentralmyanmar, inmitten von Palmenplantagen, Tabakfeldern und Bewässerungskanälen an der Straße nach Pakangyi. Gemeinsam mit lokalen Experten*innen wurde hier bisher an Myanmars Ernährungssicherheit gearbeitet.

Aufgrund der derzeit unsicheren, weitgehend unberechenbaren Lage in ganz Myanmar sind wenig andere Geber zu identifizieren, die bereits Kampagnen gegen den neuen Hunger organisiert hätten.

Schweigen des State Administration Council (SAC)

Der SAC, das selbst ernannte Exekutivorgan des Militärs, schweigt zu kommenden Hungerszenarien. Im März verwies das staatliche Presseorgan The Global New Light of Myanmar auf die Bedeutung von Aquakulturen für ausländische Direktinvestitionen und als Ernährungssressource hin (14. und 21.03.2021).

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