Kaum noch Hilfe für Sagaing / စစ်ကိုင်းတိုင်းဒေသကြီး

updated version of the Sept. 30-post

Hilfe für die Region Sagaing ist wegen der Sicherheitslage so gut wie unmöglich geworden. Die Spendenlage gestaltet sich schwierig.

Vor dem coup d’état (2021) bedeutete Sagaing: Das ist das Obere Zentralmyanmar, die Dry Zone, mit goldenen Stupas und Kulturdenkmälern wie dem Sandsteinkloster Hpo Win Daung, einer diversifizierten Landwirtschaft und Kupferminen, darunter auch Letpedaung-Mine.

Sagaing galt im naiv-touristischen Sinne als „schön“, als “das eigentliche Myanmar”. Diese Vereinfachung ließ alle Komplexität außer Acht.

Die Stadt Sagaing vor dem Bürgerkrieg und dem Erdbeben im März 2025.

Politisch wurde Sagaing nach der Unabhängigkeit des Landes (1948) zu einem der Machtzentren der größtenteils buddhistischen Bhama, der anteilig größten Ethnie des Landes.

Monywa ist die größten Stadt der Region Sagaing, ein Transferpunkt zwischen Indien und China. In der Nähe steht die größte Buddha-Statue der Welt.

Schon vor dem coup d’état wirkte die Stadt bescheiden, viele Straßen waren nicht asphaltiert, es fehlte an Straßenbeleuchtung. Die Armut war zwar offenkundig, doch die täglichen Märkte waren üppig und schön.

In Monywa befindet sich das Nord-West-Kommando der burmesischen Armee.

Während der Besatzung Burmas im Zweiten Weltkrieg (1942-1945) hatte die japanische Armee hier ihr Kommunikationszentrum. Seit dieser Zeit besitzt die Kommunistische Partei Burma (Communist Party of Burma, CPB) ihren stärksten Rückhalt in Sagaing. Ihre Milizen sind inzwischen Teil der undurchschaubar gewordenen Allianzen und Loyalitäten im Krieg Myanmars gegen sich selbst geworden.

Die CPB-Milizen sticken auf ihre eigentlichen Embleme mitunter „PDF“ für People’s Defence Forces.  Die Begründung lautet, man wolle nicht „politisch missionieren“, sondern zeigen:  man kämpfe gegen die burmesische Armee, wie Frontier Myanmar im Dezember 2023 berichtete.

Die unversöhnlichen Konfliktparteien des Bürgerkrieges – PDFs, ungebundene lokale Milizen, militärnahe Pyu Saw Htee, das burmesische Militär selbst – lähmen das Leben nicht nur in Sagaing, sondern quer durch das Land.

In unterschiedlichen Allianzen und Einflussphären agieren außerdem die großen Ethnischen Armeen / Organisationen wie die UWSA,  KIA, KNLA.

Epizentrum des Widerstandes

Sagaing gilt seit 2021 als Epizentrum des Widerstandes. Deshalb ist die ohne als “zerbrechlich” geltende Region (UNDP: 2025) in besonderem Maße Luftangriffen, Brandstiftungen und Vertreibungen ausgesetzt.

via mingalago

Mitte März 2025 schätzten die Vereinten Nationen in Sagaing mit 1,3 Millionen Binnenvertriebenen die höchste Zahl an Menschen, die in Myanmar auf der Flucht sind.

Wasser- Strom- und Lebensmittelversorgung sind massiv gestört, Dörfer sind entvölkert, das Erziehungs- und Gesundheitssystem ist teilweise oder ganz zusammengebrochen. Die meisten Schulen sind geschlossen, Arbeitsplätze sind verloren, die Lieferketten unterbrochen und die Märkte sind nur schwer zugänglich (UNDP: 2025).

In Sagaing spielt die National Unity Government (NUG), die zivile Gegenregierung zum Militärrat, eine zentrale Rolle. Von hier aus koordiniert sie die nach eigenen Angaben 300 Widerstandsgruppen des Landes, die sich seit 2021 gebildet haben. Nicht alle PDFs sind bereits, sich dem Kommando der NUG zu beugen.

Stimmungswechsel in der Bevölkerung

Seit Monaten jedoch findet in Myanmar ein Wechsel in der Sichtweise in der Bevölkerung statt. Erschöpft durch die Herausforderungen und Dramen der letzten Jahre, wächst in der Bevölkerung der Wunsch nach einem Ende des Kriegszustandes. Es wird auch beklagt, wie leicht Menschen an Waffen kommen und davon zu viele im Umlauf seien.

Engmaschige Kontrollen

Zwischen der Stadt Sagaing und Mandalay lag das Epizentrum des Erdbebens im März 2025. Von Beginn an wurde befürchtet, dass in Sagaing „nur sehr wenig Hilfe ankommen“ würde. Mittlerweile wird die Region systematisch abgeschnitten.

Hier spielen neben den permanenten Kämpfen der Rekrutierungszwang (seit 2024) und die kommenden Wahlen Ende Dezember eine Rolle. Die politischen Spannungen wachsen, weitere Gewalt wird befürchtet.

Straßenblockaden, eng gezogene Militär-check-points, aber auch die Kontrollen der Milizen bilden ein dichtes Netz an Überwachung.

Seit Juli 2025 kommen bestimmte Hilfsgüter nicht mehr durch diese Kontrollen. Dazu zählen Sonnenkollektoren, Medikamente, Hygieneartikel. Nichts darf in schwarze Plastiksäcke verpackt werden. Dies sind Erfahrungswerte kommerzieller Lieferdienste, eine offizielle Verbotsliste existiert nicht.

“Kunst der informellen Hilfe”

Die burmesische Zivilgesellschaft beherrscht aus vielen Gründen die Kunst, zu improvisieren. Dies bedeutet auch die Kunst der informellen Hilfe und der unkonventionellen Lösungsfindung.

Diese Fähigkeit erleichterte bisher den großen Hilfsorganisationen ihre Arbeit in Myanmar.

Die Vereinten Nationen, Ärzte ohne Grenzen, Save the Childeren, Caritas International oder die Welthungerhilfe, um nur einige zu nennen, wären und sind ohne lokale Unterstützung nahezu handlungsunfähig.

Doch informelle Hilfe ist in Sagaing so gut wie unmöglich geworden. Nicht nur kleine Netzwerke, sondern auch größere lokalen Organisationen stehen vor immensen Problemen, und mit ihnen auch internationale Organisationen.

Zu den Menschen zu gelangen, die der Hilfe bedürfen, ist inzwischen ein “fight for access” geworden, ein Kampf um Zugang.

Ein brennendes Dorf in Taze Township im Südosten Sagaings, 1.Oktober 2025. photo: (supplied) via Myanmar Now
Das “Projekt Sagaing” und Spenden

In diesem Blog wurde nach dem Erdbeben immer wieder über das „Projekt Sagaing“ berichtet.

Hier wurden Gelder gesammelt, die von Berlin nach Thailand überwiesen wurden und direkte Hilfe in Myanmar über informelle Netzwerke ermöglichte.

Wie berichtet, konnten Hütten gebaut und Sonnenkollektoren gekauft werden, Medikamente, Wasser und Lebensmittel wurden nach Mandalay und Sagaing gebracht.

Wegen der aktuellen Situation in Sagaing stellt sich das Projekt aktuell neu auf. Unter anderem ist es ein Ziel, nicht mehr mehr mit PDFs zu kooperieren.

Eingehende Gelder werden weiterhin über Johanna Neumann, Sprachdozentin Seminar für Südostasienstudien an der Humboldt Universität, gesammelt und weitergeleitet:

Johnanna Neumann IBAN DE15 4306 0967 1138 908 200 / Verwendungszweck “Hilfe für Myanmar”

Trotz der schwierigen Situation der Menschen in Myanmar ist es kaum noch möglich, Spenden einzuwerben.

Die mangelnde Medienpräsenz Myanmars, die Entfernung zu Südostasien und die weltweite, große Not an Orten wie Gaza und dem Sudan erzeugen ein Gefühl der Machtlosigkeit und wohl auch eine gewisse Gleichgültigkeit.

Rückzug Schwedens

Auch in der internationalen Politik werden neue Maßstäbe gesetzt. Nicht nur die USA, sondern auch andere Geberländer trafen richtungsweisende Entscheidungen im Bereich der Entwicklungshilfe.

So kündigte Schweden in diesem September an, die Hilfe für Myanmar zugunsten der Ukraine ab Juni 2026 einzustellen.

Seit 2021 hatte das Land 176 Millionen US-Dollar Entwicklungshilfe an Myanmar überwiesen. Es gehört zu den Top-Einzahlern des unterfinanzierten Humanitarian Fund Myanmar (OCHA: Myanmar: 09/2025).

Es wurde betont, dass die humanitäre Hilfe für Myanmar von der jüngsten Entscheidung nicht betroffen sei.

Sources

DVB. 06.03.2025. “Five armed groups withdraw from National Unity Government command”. https://english.dvb.no/five-armed-groups-withdraw-from-national-unity-government-command/ retr. 19.12.2025

Encyclopedia Britannica. s.v. “Monywa“. online edition.

Frontier Myanmar. 11.12.2023 „Red dawn: Myanmar’s reborn communist army“. https://www.frontiermyanmar.net/en/red-dawn-myanmars-reborn-communist-army/ retr. 30.09.2025

Libby Hogan. 01.04. 2025. abc.news. „Aid agencies struggling to reach most in need after Myanmar earthquake“. https://www.abc.net.au/news/2025-04-01/aid-agencies-struggling-to-reach-most-in-need-myanmar-earthquake/105115382 retr. 11.12.2025

UNDP. [updated version of 15.03.2025] The Sagaing’s Fault’s Socioeconomic Foundations. . https://www.undp.org/sites/g/files/zskgke326/files/2025-04/undp-rbap-myanmar-when-big-quakes-strike-weak-ground-april4.pdf. retr. 4.10.2025

Mon News. 09.04.2025. „Some Earthquake Relief Groups Blocked form Entering Affected Areas“. https://monnews.org/2025/04/09/some-earthquake-relief-groups-blocked-from-entering-affected-areas/. retr. 04.10.2025

Myanmar Now 2.10.2025. „Myanmar junta intensifies assaults as it pushes into resistance stronghold in central Sagaing“. https://myanmar-now.org/en/news/myanmar-junta-intensifies-assaults-as-it-pushes-into-resistance-stronghold-in-central-sagaing/ . retr. 29.10.2025

Mizzima. 29.08.2025. „Delivery services in Myanmar tighten restrictions on medicines, cosmetics, and household goods“. https://eng.mizzima.com/2025/08/29/25885. retr.  29.10.2025

OCHA. September 2025. „Myanmar Humanitarian Access Snapshot“. https://www.unocha.org/publications/report/myanmar/myanmar-humanitarian-access-snapshot-september-2025. retr. 30.10.2025

OCHA. “Myanmar”. [September 2025]. https://www.unocha.org/myanmar. retr. 31.10.2025

ScandAsia. 13.09.2025. „Sweden to phase out development aid to Myanmar by 2026.“ https://scandasia.com/sweden-to-phase-out-development-aid-to-myanmar-by-2026/. Retr. 11.12.2026

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