Tom Andrew, scheidender UN-Sonderbeauftragter für Myanmar der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, erinnerte die Weltgemeinschaft an Myanmar:
Angesichts des Krieges im Mittleren Osten und dessen geopolitischer Folgen rücke das Land immer weiter aus dem Fokus internationaler Aufmerksamkeit.
Der Mediendiskurs bezüglich Myanmars – von Exilpresse bis Staatsmedien – ermöglicht es, die Situation des Landes unter den Aspekten, Wirtschaft, Politik, Umwelt, Konflikt und Krieg zu skizzieren.
Wirtschaft
Der derzeit herrschende, weltweite Treibstoffmangel trifft auch Myanmar.
Schlangen Motorisierter vor Tankstellen – die teilweise nichts mehr zu verkaufen hatten – waren im ganzen Land zu sehen. Die Preise für Diesel und Benzin verdoppelten sich, der Schwarzmarkt blühte auf. Die Situation wurde versuchsweise staatlich reguliert Regierungsangestellte mussten beispielsweise ab dem 23. März im home office arbeiten, Kraftfahrzeugen wurde nach verschiedenen Systemen eine wöchentliche Quote zugeteilt. Dies rief großen Unmut hervor.

Für die Reiswirtschaft ist der Treibstoffmangel besonders katastrophal, denn die erste von zwei Jahresernten steht im April an. Die Ernährungssituation in Myanmar ist schlecht, laut WFP sind über zwölf Millionen Menschen in Myanmar in einer Mangelsituation, bedingt durch strukturelle Armut, die Folgen des coup und des Erdbebens von 2025.
Die erste Reisernte – anders als die Monsoon-Ernte – hängt von Bewässerungssystemen ab, die mit Diesel betrieben werden.
Auch andere Wirtschaftssektoren sind betroffen. Bedingt durch die Treibstoffkrise, hat Myanmar seit dem 1. März 2026 keinen Exportauftrag für seine Fischereiprodukte erhalten. Die Folge ist eine Überflutung der Märkte, das Angebot übersteigt die Nachfrage massiv, wie beispielsweise auf dem Shwe Padauk Markt in Yangon. Außerdem werden zu dieser Jahreszeit auf den Fischfarmen die ponds geleert, was ein Fischsterben in der Aprilhitze verhindert.
Politik
Am 16. März fand die erste parlamentarische Sitzung nach dem coup statt. Bei den Wahlen im Dezember 2025 / Januar 2026 war keine Oppositionspartei zugelassen und die militärnahe Partei USDP wurde mit die stärkste Partei im Parlament. Im Jahr 2020 hatte die USDP massiv gegen die National League of Democracy, die Partei Daw Aung San Suu Kyis, verloren.


Die im Jahr 2008 vom Militär geschriebene Verfassung weist 25 % der Sitze dem Militär qua lege zu.
Sprecher des neu gewählten Unterhauses ist der Vorsitzende der Union Solidarity and Development Party USDP, General a.D. Khin Yi. Er war Polizeichef unter General Than Shwe während der Saffron Revolution im Jahr 2007. Nach dem coup im Februar 2021 organisierte er die pro-Militär-Demonstrationen.
Für den 27. März, den Armed Forces Day in Myanmar, wurde ein Wechsel in der Militärführung angedeutet. Min Aung Hlaing wird von seinem Posten zurücktreten und die seit dem Jahr 2015 angemeldeten Anspruch wahrmachen, Präsident von Myanmar zu werden. Dieses Amt war Daw Aung San Suu Kyi i2015/2026 bewusst verwehrt geblieben.
Die zivile “Schattenregierung” National Unity Government NUG begann Ende März – im Vorfeld der anstehenden Präsidentenwahl – eine administrative Organisation in Zentralmyanmar. Mitte März war sie von zivilen Organisationen aufgefordert worden, einen Fall von sexueller Gewalt, der in den eigenen Reihne gegen eine Muslim-Widerstandskämpferin in Sagaing geschehen war, aufzuklären.
Russland, China, Thailand, USA
Russland und China lieferten im März erneut Jetfighter an Myanmar.
Mit Russland wurde ein Memorandum of Understanding bezüglich Satellitenstationen unterzeichnet. China, das Land mit dem größten Einfluss in Myanmar, hat im nördlichen Shan-Staat einen “Bruderkrieg” zwischen den Kokang und der Ta’ang National Liberation Army (TNLA) zugunsten der Kokang entschieden, indem es Hilfegesuche der TNLA ignorierte. Die ungewöhnliche Allianz der beiden ethnischen Armeen hatte sich im Oktober 2023 gebildet und brach nun auseinander.
China ist daran interessiert, die Handelsrouten in der Grenzregion abgesichert zu wissen. Zudem wird beobachtet, dass es vorsichtig beginnt, seine südwestliche Grenze hinein nach Myanmar zu verschieben.
Scamming (online-Betrug) in Myanmars unregulierten Grenzregionen, besonders an der Grenze zu Thailand, ist seit Monaten ein Dauerthema. Es wird zunehmend klar, dass es sich auch um einen Cyberkrieg zwischen China und den USA handelt, in dem Thailand mit Bangkok als Basis eine Rolle spielt.
Die USA schrieben für das Akademische Jahr 2027/28 erstmals wieder das Fulbrigth-Stipendium für Studierenden aus Myanmar aus.
In der Region Mandalay wurden Drogenkuriere mit zwei Millionen Stimulantien in einem Warenwert von 3 Mrd. MMK festgenommen (Wechselkurs am 27.03.2026 : 1 Euro: knapp 2500 MMK).
Darüber hinaus hat der Bürgerkrieg in Myanmar Auswirkungen auf das Shan-Gebiet hat, das sich von der chinesischen Provinz Yunnan durch Myanmar, Laos nach Nord Thailand in die Provinz Chiang Rai zieht. Der Drogenkonsum unter Jugendlichen in Nordthailand hat sich auffällig verstärkt, das Angebot bestimmt die Nachfrage.
Thailand ist das Land in der Region Süd- und Südostasien, das am stärksten von Folgen der Situation in Myanmar betroffen ist.
Umwelt und Energie
Dass die unregulierte Minenarbeit im östlichen Shanstaat die Flüsse wie den Kok, Sai, Ruak in Thailand zunehmend verschmutzt, ist bekannt. Darauf wies am World Water Day die NGO “Rivers and Rights” hin. Die Verschmutzung ist messbar und gefährdet die Wasserversorgung in der Region. Auch der Mekong und der Thanlwin sind betroffen.
Im März fand ein Treffen des Mekong-Lacang Kommittees statt. Unter Chinas Federführung ist dies ein Forum der Anrainerstaaten des Mekong, an dem Myanmar regelmäßig teilnimmt.
Unter der Schlagzeile „Stabbing the Heart of Myanmar” wird der Plan des Militärs, den Myitsone Staudamm im Kachinstaat weiterzubauen, mit einem „Stich ins Herz“ verglichen. Wenn er jemals gebaut wird, wird der größte Anteil der aus Wasserkraft gewonnen Energie an China gehen und die Landschaft um die Quelle des Irrawaddy herum, entstehend aus einem Zusammenfluss, unwiderruflich geschädigt, wie auch das Leben der Menschen. Flutungen, Umsiedlungen und Umweltschäden sind zu erwarten. Der Bau des Dammes, begonnen 2009, wurde im Jahr 2011 unter Zahlung hoher Konventionalstrafen an China suspendiert.

Konflikt- und Kriegssituation
In ganz Myanmar und besonders in Rakhine, Nord Shan, Kayah, Tanintharyi und in Sagaing fanden im März Luftangriffe des Militärs statt. Es gab Angriffe auf Klöster in Sagaing und Tanintharyi, Menschen starben. Diese Kriegshandlungen werdenstets als Gegenmaßnahmen gegen vermutete, versteckte Widerstandsgruppen gerechtfertigt.
Angriffe auf die Mawchi-Minen (Wolfram und Zinn) im Kayah Staat sollen verhindern, dass mit diesen der Karenni-Widerstand weiter finanziert wird. Sie sollen zurückerobert werden. Das Gleiche gilt für Goldminen im Kachinstaat.

Im Norden der Region Mandalay wurde die letzte große Ort des Widerstandes, Tagaung, an das Militär zurückgegeben. Tagaung ist Schlüsselort, um nach Sagaing und den Kachinstaat zu gelangen und ein Ort, wo es Nickelminen gibt. Das Militär hatte von der Luft, zu Wasser und zu Land angegriffen, um erfolgreich zu sein.
Die Binnenvertriebenen in Sagaing haben kaum Aussicht, an ihre Orte zurückzukehren, anhaltende Kämpfe, die Luftangriffe und die anhaltenden Zerstörungen nach dem Erdbeben bestimmen ihre Lebensumstände.
Die aus Myanmar geflüchteten Rohingya in Bangladesh – seit 2024 kamen 150 000 neue Flüchtlinge hinzu – erwarten Budgetkürzungen des WFP. Diese sollen ab dem 7. April von 12 US-Dollar im Monat auf 7 Dollar gekürzt werden. Rohingya haben in Bangladesh keine Arbeitserlaubnis und sind von Spenden und Zuwendungen abhängig. Die Vereinten Nationen versorgen lediglich einen Bruchteil der 1,2 Millionen Flüchtlinge.
Myanmar präsentiert sich im März 2026 als ein Land, dessen Bevölkerung weiterhin unter Kriegs- und Fluchtbedingungen lebt und seine Nachbarländer vor immense Aufgaben stellt. Der Krieg im Mittleren Osten hat durch die Treibstoffkrise tiefe Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation. Die Abhängigkeit von China und Russland verstärkt sich, Thailand als direkter Nachbar ist massiv von den Vorgängen in Myanmar betroffen. Myanmar hat zum Schein ein Parlament installiert, das vom Militär dominiert ist und dessen Agenda verfolgen wird. die USA üben sich in kultureller Diplomatie und sind durch die Bekämpfung von Scamming stark in Politik, Strafverfolgung und grenzüberschreitende Maßnahme der Region involviert.
Medien (Kurztitel. online-Zugriffe 14.03.-31.03.2026)
Democratic Voice of Burma. 25.03.2026. “Airstrikes kill 27 civilians in Sagaing Region since March 20”. Elevenmediagroup. 19.03.2026. “US gvt announces Fulbright scholarships for outstanding Myanmar students”. 27.03.2026. “Fuel prices surge in Taunggyi, sold on black market at 10, 000 kyats per litre”. Global New Light of Myanmar. 17.03.2026. “Shwe Padauk Fish Market sees high supply and low demand due to daily fish inflows”. Frontier Myanmar 04.03.2026. “Down and out in Sagaing: IDPs Struggle to Survive”. 12.03.2026. “ ‘Stabbing the Heart of Myanmar’ – junta to restart dam project”. Myanmar Now 25.03.2026. “Rohingya refugees in Bangladesh worry ahead for food aid cuts”. 12.03.2026. “Plans for satellite ground station reinforce Myanmar’s regime’s ties to Russia ”. 13.03.2026. “Junta airstrike on gold mining block in Kachin State kills dozen bombing mining boats on the Ayeyarwady River”. 16.03.2026. “Junta forces kill seven civilians during retreat from Thayetchaung”.30.03.2026. “Governing the resistance: NUG”.The Irrawaddy. 02.03.2026. “Myanmar Army Massing to Retake Mawchi Mines”. 02.03.2026. “Arakan Army Advances to Edge of Sittwe”. 10.03.2026. “NUG Under Pressure Over Alleged Rape-Torture at Resistance Bataillon ”. 11.03.2026. “China Quietly Moves Its Border Fences Into Myanmar”. 13.03.2026. “Junta Air Force Commissions Russian, Chinese-Made Figther Jets”. 13.03.2026. “Mideast War Risks Deepening Myanmar Crisis: UN Expert”. 13.03.2026 “Last Resistance Stronghold in Mandalay Falls”.14.03.2026. “Scam Cities, Smuggling and State Collapse”. 16.03.2026. “Two Ex-Generals Elected Speakers”. 19.03.2026. “Myanmar’s Broken Brotherhood: Strategic Gain for China”. 19.03.2026. “Thai Army Chief Meets Myanmar Junta Leaders Amid US Focus on Scam Centers”. 19.03.2026 “China-Led Lacang-Mekong Cooperation Gives Myanmar Junta a Lifeline”. 23.03.2026. “Chiang Rai Communities Mark World Water to Tackle Border Pollution”. 24.03.2026. “Middle East War Only Increase Myanmar’s Strategic Value for China”. 20.03.2026. “FBI Points Finger at China for Backing Scam Industry”. 25.03.2026. “Regime Fuel Rationing Threatens Myanmar’s Rice Harvest”. 26.03.2026. “Myanmar Student Enrollment in Thailand Surges Sixfold Since Coup”. 27.03.2026. “Myanmar Fuel Prices Hit Record High as Chaos Follows New Junta Caps”. 27.06.2026. “Myanmar’s Rebuild Stutters After Earthquake”.Radio France Internationale. 05.03.2026. “Myanmar drivers scramble for fuel as Mideast war cuts supply”. The Straitstimes. 10.03.2026. “Myanmar civil war drives drugs epidemic in Thai hills”. UN news. 27.03.2026. “Myanmar: WFP reports fragile recovery one year after deadly earthquake”. Xinhua. 16.03.2026. “U Khin Yi elected new speaker”.
Literatur
Narendar Pani. Sindu Radhakrishna et al. Eds. 2010. Bengaluru, Bangalore, Bengaluru. Imaginations and their times. New Delhi. Anthony Ware. Monique Skidmore. Eds. 2023. “After the Coup: Myanmar’s Political and Humanitarian Crisis”. Canberra.