Präsidentenwahl und verstärkte Militäroffensiven
Im April wurde die Regierung Myanmars nominell zivil. Gleichzeitig kam es zu personellen Neubesetzungen im Militär und zu einer verstärkten militärischen Offensive, besonders in den Regionen Sagaing und Magwe und dem Chin-Staat1. Die Zahl der Luftangriffe erhöhte sich. Die Lebensbedingungen der Menschen in weiten Teilen Myanmars sind von Krieg, Konflikten, der Energiekrise und einer schwierigen Versorgungslage bei hoher Inflation bestimmt. Vertreibung und Flucht sind in weiten Teilen des Landes alltäglich und betreffen auch Myanmars Nachbarstaaten Indien und Thailand.
Wirtschaft Die Folgen des Bürgerkrieges und des Erdbebens, das ein Land traf, das “bereits auf den Knien war” (UNDP 2025), die Energiekrise, Stromausfälle, eine unter extremem Druck stehende Währung, die hohe Inflation und US-Zölle, die noch immer bei 40 Prozent liegen, kennzeichneten die prekäre wirtschaftliche Lage Myanmars im April 2026.

Statistisch gesehen, lebt jeder zweite Mensch im Land nun unterhalb der Armutslinie. Diese wurde von der Weltbank auf eine tägliche Verfügbarkeit von drei US-Dollar pro Tag festgelegt (2025). Dennoch verzeichnete die Asian Development Bank eine „fragile Stagnation“ der Wirtschaft, die mit einer strikten export-first-Politik vor allem mittels der Textilindustrie und „mining products“ – Seltene Erden, Erze – , ein Wachstum von 2,4 % vorweise und unter den herrschenden Bedingungen soweit funktioniere. Die Zentralbank von Myanmar entschied, dass künftig für Handel und Investitionen auch der Thai Baht zugelassen würde, wie bereits der chinesische Yuan seit März 2026.
Nach dem coup d’état (2021) hatten viele ausländische Firmen das Land verlassen. Darunter befand sich auch, wie auch hier im Blog berichtet, die norwegische Telekommunikationsfirma Telenor. Diese wurde nun von der schwedischen Non Profit Organisation The Justice and Accountability Initiative auf Datenschutzverletzung verklagt: Telenor hatte bei dem Verkauf seiner dépendance in Myanmar einen Teil der Nutzerdaten dem Militär zugänglich gemacht.
Die Energiestrategie Myanmars, die auf China und Russland setzt, wurde weiter ausgebaut und mit Russland eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Hierbei sind auch Flüssiggaslieferungen für den künftigen, inzwischen von Russland vorangetriebenen Tiefseehafen in Dawei/Tanintharyi Region vorgesehen.
Die Landwirtschaft, besonders der Reisanbau, blieb aus drei Gründen belastet: hohe Treibstoffpreise, beschränkte oder fehlende Importe der Dünger aus der Golfregion, dazu landesweite Bombardierungen, die bewusst auch Reisfelder trafe, es kam – wie schon in der Vergangenheit – zu Verhaftungen von Farmern, die dem Widerstand zugeordnet wurden.
Politik Die Wahl und Inauguration des ehemaligen Senior Generals Min Aung Hlaing zum Präsidenten von Myanmar fand am 3. und 10. April 2026 im Parlament in Nay Pyi Taw statt. Die nun zivil gewordene Regierung – im Englischen öfter als „putschists-turned-civilian government“ bezeichnet, besetzte diverse Posten neu, vor allem militärische Schlüsselpositionen: Der vormalige Geheimdienstchef und Kommandant des Südwestkommandos (Ayeyarwaddy Region), Ye Win Oo, wurde zum General und Oberkommandierenden der burmesischen Streitkräfte befördert. Er steht unter Sanktionen der Europäischen Union (EU), der USA, Großbritanniens und Kanadas. Die Luftwaffe leitet Gen. Tun Win.
Mitte April war die Zeit des burmesischen Neujahrsfestes- oder: Wasserfestes, Thingyan. Dies ist traditionell die Zeit politischer Amnestien.
In diesem Jahr wurden gut 4300 Menschen aus den Gefängnissen entlassen, darunter auch der 2021 verhaftete Präsiden U Win Myint, inhaftiert in Taungoo. Später erhielt auch die Dokumentarfilmerin Shin Daewe – “Brigther Future” (2009), “Take me Home” (2013) – eine Amnestie, inhaftiert in Yangons Insein-Gefängnis. Sie war im Oktober 2023 wegen des Einsatzes einer Videodrone verhaftet worden.
Am 30. April wurde die Nachricht lanciert, Daw Aung San Suu Kyi, die Ikone der burmesischen Demokratiebewegung aus der Zeit vor dem coup d’état, sei aus der Einzelhaft in Nay Pyi Taw in den Hausarrest in Nay Pyi Taw, überstellt worden.


Es gab Amnestien, und es gab es neue Verhaftungen wie die des prominenten Autors U Tin Nyunt und seines Sohnes. Tin Nyunt war unter der Regierung der National League of Democracy (NLD) mehrfach ausgezeichnet worden. Verhaftet wurde er für den online-Verkauf eigener alter Werke wie beispielsweise der Publikation General, You Lied to Me.
National Union Government (NUG) Ende März, Anfang April etablierte sich ein neues Komitee, das Steering Committee for the Emergence of a Federal Democratic Union, SCEF. In diese jahrelang vorbereitete Allianz sind verschiedene Akteure eingebunden: die NUG selbst, das Committee Representing Pyidaungsu Hluttaw (CRPH), die Kachin Independence Organisation (KIO), die Karen National Union (KNU), die Karenni National Progressive Party (KNPP) und die Chin National Front (CNF). Medienberichte über diesen erneuten Versuch einer organisierten demokratischen Gegenbewegung in Myanmar ließen die Rolle der USA und des Westens weitgehend unbeachtet.
Unabhängig vom SCEF geraten die NUG und die People Defense Forces (PDFs) zunehmend in Erklärungsnöte, wenn es um Gewalttaten durch Widerstandskämpfer geht, wie geschehen Anfang April im Chin-Staat. Außerdem herrschen massive Dissonanzen zwischen der NUG und diversen PDFs in der Region Magwe.
Konflikte und Luftangriffe Das Militär verstärkte seit Mitte April in einer neuen Offensive die landesweiten Luftangriffe und erhöht den Druck auf den Widerstand. Ende April wurden 60 townships in neuen Staaten und Regionen unter Kriegsrecht gestellt.
Sagaing, Magwe und der Chin-Staat, waren im April von der neuen Offensivtaktik des Militärs besonders betroffen. Da das burmesische Militär zunehmend versucht, den Rakhine Staat abzuriegeln, gehen Schmuggelwege schon länger durch den Chin- Staat und den indischen Bundesstaat Mizoram, zudem werden sowohl der Chin- als auch der Rakhine-Staat weiträumig von der Arakan Army kontrolliert. Im Chin-Staat geht es hier um die ländlichen Gebiet und im Rakhine Staat um 14 von 17 townships (Februar 2025). Der Chin-Staat im Nordwesten Myanmars galt stets als der ärmste Staat des Landes und ist zugleich das Einfallstor nach Rakhine für das burmesische Militär.
Bei den landesweiten, verstärkten Luftangriffen wurden neben Kampfflugzeugen auch Gyrokopter eingesetzt. Es gibt keine Zahlen über die zivilen Opfer dieser Angriffe, jedoch wird immer wieder über zerstörte Schulen, Krankenhäuser und Klöster berichtet. Unter den Toten und Verletzten sind Kinder. Das Treffen dieser Einrichtungen ist mitunter gezielt.
Thailand gab Ende April eine Warnung für seine nordwestliche Provinz Mae Hong Son heraus, nachdem die burmesische Luftwaffe ein Krankenhaus der Karen National Union im Kayah-Staat bombardiert hatte. Davon war auch die thailändische Provinz peripher betroffen.
Die neue Offensive des burmesischen Militärs hat auch Konsequenzen für den Wehrdienst. Die Zweijahrespflicht wurde im April überschritten, nur zwölf Prozent der im April 2024 Rekrutierten wurden aus dem Dienst entlassen. Myanmar hatte im Februar 2024 die Zwangsrekrutierung eingeführt.
Bei den Widerstandsgruppen nehmen Desertationen zu.
Vertreibung und Flucht Die Not der Bevölkerung wächst. Die Menschen in Zentralmyanmar werden zunehmend zu Binnenvertriebenen in akuter Versorgungsnot.
Im Chin-Staat, an der Grenze zum indischen Staat Mizoram, zeichnet sich eine humanitäre Notsituation ab.
Die vor den Bombenangriffen, Kämpfen und der Zwangsrekrutierungen der Widerstandsgruppe Chin National Army flüchtenden Menschen finden zwar Aufnahme in Indien. Die gemeinsame Zo-Identität resultiert zwar in einer starken Solidarität Mizorams, doch ist diese zunehmend nicht mehr zu leistbar, die aufnehmenden Gemeinden sind überlastet. Zusätzlich zu den Flüchtlingen aus Myanmar suchen Bangladeshi aus den Chittagong Hügeln ebenfalls Zuflucht in Mizoram.
Zu den aus Südasien Flüchtenden gehören immer wieder auch Rohingya. Im April ertranken 250 Rohingya und Bangladeshi in der Andaman Sea. Sie waren, wie viele vor ihnen, aus den Lagern in Bangladesh geflüchtet.
Flüchtlingen aus Myanmar, die die Überfahrt nach Malaysia bewältigt hatten, verwehrte die malaysische Küstenwache die Aufnahme.
Internationale Beziehungen Indien und China zeigten diplomatische Referenz, indem der indische Außenminister an der Inaugurationszeremonie in Nay Pyi Taw teilnahm, zu der China als erstes Land gratuliert. Indien ist im Rahmen seiner „Act East“-Politik Myanmar zugewandt. Von den ethnischen Armeen war es die United Wa State Army (UWSA), die sich als erste der neuen Regierung empfahl.
Die Europäische Union (EU) verlängerte die Sanktionen gegen Myanmar um ein Jahr, während die US Diplomatin Kelley Currie Anfang des Monats Nachfolgerin von Tom Andrews als Special Rapporteur For Human Rights wurde.
Die Mitglieder des ASEAN-Block reagierten uneinheitlich auf die Präsidentschaftswahl. Diese Uneinheitlichkeit ist inzwischen zur Norm geworden. Das im Block führungsstarke Indonesien beispielsweise ließ im April die Klage einer Rohingya-Aktivistin zu. Gemeinsam mit kundigen Juristinnen und Juristen verklagte sie Min Aung Hlaing auf Völkermord. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür – die Existenz des Universal Law im indonesischen Recht – waren im Januar 2026 geschaffen worden. Zuvor hatte Indonesien eine andere Position bezüglich dieses Bausteins des Internationalen Rechts vertreten (Vereinte Nationen 2022).
Unabhängig davon kündigte Präsident Min Aung Hlaing eine “zu normalisierende ASEAN”-Politik” Myanmars an.
Chinas Rolle in Myanmar erstarkt weiterhin, es bleibt die einflussreichste externe Kraft. Neben dem Vorantreiben des Infrastrukturprojektes des Tiefseehafens Kyaukphyu im Süden des Rakhine-Staates sticht die Wiederaufnahme des Bauvorhabens des Myitsone Staudammes im Kachin-Staat hervor. Der Einfluss Chinas auf Politikentscheidungen Myanmars wird hier besonders sichtbar. Das Bauvorhaben nimmt Gestalt an, es kam bereits zu ersten Umsiedlungen.
Gleichzeitig setzt sich im Norden Myanmars die Sinifizierung durch die Kokang, ethnische Chinesen, fort. Wegmarken und Dorfnamen, die bisher in burmesischer Schrift erschienen, werden von der Myanmar National Democratic Alliance Army, der Armee der Kokang, durch Mandarin ersetzt oder ergänzt.

Nachhaltigkeit Der Nachbarstaat Thailand ist direkt vom Abbau Seltener Erden im östlichen Shan-Staat betroffen. Dieser geschieht ohne nähere Rücksicht auf Umweltstandards. Thailands Flüsse werden dadurch zunehmend belastet, die Wasserqualität leidet. Hier geht es vor allem um einen zu hohen Arsenspiegel. Dieser ist “eine Stunde flussaufwärts von Chiang Rai” messbar, wo das Wasser des Flusses Kok zähflüssig, verfärbt und voller Sedimente ist. Die Folgen für die regionale Wasserversorgung und der inzwischen fehlende Tourismus stehen auf der Agenda Thailands bezüglich Myanmars.
Transnationale Kriminalität In der transnationalen Kriminalität Südostasiens, in der seit der Pandemie vor allem das scamming, online-Betrug, im Mittelpunkt steht, ist Myanmar eines der Hauptschauplätze.
Nach den öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen im Oktober 2025, als die künstliche Casino-Stadt Shwe Kokko nahe Myawaddy im Kayin-Staat, durch das Militär scheinbar bekämpft wurde, fanden in den Monaten danach gewisse Anpassungsprozesse statt. Scamming, zu dem auch Menschenhandel, gambling und Geldwäsche gehören, fand dezentral in Privathäusern, Hotels und unter freiem Himmel in Plantagen und Wäldern statt. Ende April 2026 verstärkten sich die Aktivitäten in Shwe Kokko erneut.
In Mumbai/Indien gab es eine Verhaftung wegen Cyber-Sklaverei. Angeworbene Arbeitskräfte aus Jharkand (Ost-Indien) sollten nach Myawaddy gebracht werden.
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online-Zugriffe 01.04.-30.04. 2026 (updated 04.07.2026)
Quelle Statement by Delegation of the Republic of Indonesia to the United Nations. 13.10.2022. […] „The Scope and Application of the Principle of Universal Jurisdiction“
Medien (Kurztitel. 2026 online-Zugriffe 01.04.-30.04. 2026) Al Jazeera 30.4.2026 Aung San Suu Kyi Moved to House Arrest Asia Development Bank 13.4. 2026 Outlook April 2026: Myanmar civicus lens 23.4.2026 Indonesia’s Genocide Case Democratic Voice of Burma 2.4.2026 UN Appoints U.S. Diplomat Special Rapporteur 10.4. Only 12 Per Cent of Conscripts Return 15.4. 250 Rohingyas and Bangladeshi Die in Andaman Sea 16.4. Opposition to Hydropower Dam Grows 16.4. China Back With Vengeance in Myanmar 18.4. Malaysia Stops Illegal Sea Entry 20.4. Gyrocopter Attack in Sagaing The Diplomat 13.4.2026 3 Indians Killed, Resistance Must Answer 28.4. EU Extended Sanctions for One Year Elevenmediagroup 18.04.2026 Myanmar, Russia Sign Memorandum of Cooperation 29.4. Use of Thai Baht Frontier Myanmar 10.4.2026 Earthquake victims still struggling 20.4. Stolen identities Irrawaddy 1.4.2026 NUG and four ethnic armies form resistance command [SCEF] 2.4. Magwe Resistance Mounts, Magwe Oil Fields 2.4. Ye Win Oo 3.4. MAH installed president 3.4. Bridal Economy China [poverty line] 3.4. Airstrikes kill 100 Civilians in Sagaing 6.4. Wa First Ethnic Force to Congratulate 7.4 Fighter Jets Strafe School in Shwebo 7.4. Rights Group Files Genocide Complaint 10.4. Telenor 10.4. Inauguration 10.4. Min Aung Hlaing Vows to Normalize ASEAN Ties 16.4. Energy Strategy 18.4. Win Myint is Free 21.4. Alert Mae Hong Son 22.4. New Air Force Chief Tun Win 27.4. Regime Ramps Up Myitsone 27.4. Scam Operations Come Back in Shwe Kokko 23.4. Sinicization of Myanmar’s Borderland 28.4. U Tin Nyunt Arrested 28.4. Military Tightens Blockade on Rakhine Mizzima 5.4. 2026 Burma War’s Impact on Food Production Myanmar Now 24.4. Stop Fertilizer 3.4. Rising Resistance Desertions Reporters sans frontières 17.04.2026 Myanmar Journalist Released from Prison Reuters 24.4.2026 Martial Law Times of India 8.4.2026 In Mumbai, Arrest For Cyber Slavery to Myanmar 19.4. 34 Refugees and ‘Conscription Bid’ The Straits Times 12.4.2026 Toxic Tide Kok River UNDP 30.9.2025 Myanmar’s long road back
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- Myanmar ist administrativ in Staaten und Regionen unterteilt, nicht, wie Thailand, in Provinzen oder Bundesstaaten wie Indien, das eine föderale Verfassung besitzt. ↩︎
Foto oben: flickriver.com
